Für Unternehmer/innen

Zu blond für Technik?

Die Aussage: „Ich bin zu blond für Technik“ bedeutet nichts anderes als: „Ich bin zu dumm für Technik“ und steht für die Selbsteinschätzung von leider immer noch zu vielen Frauen.

Ich bin dagegen!

Ich glaube, dass überhaupt niemand „zu dumm“ für Technik ist. Ob Du Dich aber so fühlst kommt darauf an, wie Du Dich selbst einschätzt, wie Du sie erklärt bekommst, und ob Du Dich (mit oder ohne Unterstützung) auf sie einlässt, auf die Technik.

Dieser Beitrag ist speziell dann für Dich, wenn Du zu den Frauen gehörst, denen der Satz „ich bin zu blond/ zu dumm“ über die Lippen kommen könnte.

Ich habe vier Tipps für Dich, die Dir helfen können, diesen Satz in Zukunft zu vermeiden und Deine Überzeugung zu überwinden:

  1. Achte Dich selbst.
  2. Frage nach. Und dann frag noch einmal.
  3. Probier es einfach aus.
  4. Mach Dir klar: Kannst Du nicht oder willst du nicht?

Lass uns diese Punkte genauer anschauen.

1. Achte Dich selbst

Warum bloß sagen und/oder glauben so viele Frauen, sie wären zu dumm für Technik?

Oft sehe ich bei Bekannten, dass sie die Ursache eher in sich selbst als im Außen suchen, wenn etwas nicht klappt. Anstatt über das Ding, Programm, die Umstände etc. zu schimpfen, höre ich ein: „Ach, bin ich blöd!“

Bin ICH blöd.

Dagegen hilft: Übe bewusst, Dich selbst zu loben. Übe, Dich darüber zu freuen, wenn etwas klappt: „Fein! Das habe ich richtig gut hinbekommen!“ Das mag am Anfang ungewohnt sein, denn vielen fällt es richtig schwer, sich über etwas Erreichtes oder einfach nur Abgeschlossenes zu freuen.

Aber du bist nicht dumm. Du bist sehr gescheit, und Du machst Dein Ding!

Wenn also das nächste Mal etwas nicht klappt, dann denk nicht: „Ich bin zu dumm dafür“, sondern denke: „Das doofe Ding spinnt schon wieder.“

Spürst Du, was dieser Perspektivenwechsel bewirkt?

2. Frage nach. So oft wie nötig, bis du es verstanden hast.

Dass Technik oft so kompliziert scheint, liegt zu einem guten Teil an der Kommunikation unter den Experten (männlich) in einem technischen Fachjargon, der alle Nicht-Insider ausschließt.

Das gilt genauso für andere Berufsgruppen – Ärzt/innen, Jurist/innen, Dir fallen sicher noch weitere ein – , wenn sich der Experte/die Expertin nicht um Verständlichkeit bemüht. Nur dass zum Beispiel Mediziner/innen schon verpflichtet sind, die Patient/innen verständlich zu informieren, und Techniker/innen ihren Kund/innen gegenüber noch nicht.

Ein guter Techniker zu sein bedeutet nicht automatisch, auch gut erklären zu können. Eine Kundin von mir sagte: „Wenn ich von meinem technischen Betreuer etwas wissen will, versteht er ja nicht einmal meine Frage!“

Hier hilft: Frage so lange hartnäckig und immer wieder nach, bis Du es wirklich verstanden hast. Zeige Interesse. „Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück.“ Wenn Dein Gegenüber das Gefühl hat, du bist genervt oder gelangweilt, dann wird er ebenso auf Dich reagieren. Aber wenn Du nicht locker lässt; wenn Du nachfragst und bittest, es anders zu erklären; wenn derjenige merkt, dass Du es wirklich wissen und verstehen willst… Dann stehen die Chancen gut, dass er sich und seine Expertise wertgeschätzt fühlt und sich Mühe gibt.

Dieser Tipp funktioniert natürlich nur, wenn es Dich tatsächlich interessiert.

Wenn also das nächste Mal jemand (zum Beispiel ein Techniker, männlich) etwas so erklärt, dass Du keinen Schimmer hast, wovon er spricht, dann denk nicht: „Ich bin zu dumm dafür“, sondern denke: „Der Arme! Er kann es nicht besser erklären.“ Und rege ihn an, es besser zu machen.

3. Probier es einfach aus

Ich möchte Dich zu Neugierde und einer spielerischen Herangehensweise ermutigen.

Ich selbst war schon immer fasziniert von technischen Themen. Im Gymnasium hatte ich leider nur ein Jahr lang Informatik, aber gegen Ende meiner Schulzeit war ich überzeugt: Ich werde technische Mathematik und Logistik studieren! Studiert habe ich dann aber zunächst Völkerkunde (Ethnologie) und Pädagogik – klassisch geisteswissenschaftlich. Es lag es irgendwie außerhalb meines Horizonts, als „Mädel vom Land“ an die Technische Universität in Wien zu gehen.

Trotzdem habe ich immer die Webseiten meiner wechselnden Arbeitgeber betreut und mich eifrig in die dafür nötigen Programme und Programmiersprachen eingearbeitet: Weil ich neugierig war, weil ich es verstehen und selbst können wollte. Nach einem familiären und beruflichen Umbruch habe ich später, mit Anfang 40, im zweiten Bildungsweg Wirtschaftsinformatik studiert. Endlich!

Versteh mich richtig: Du musst nicht etwas Technisches studieren, um Deine alltäglichen technischen Aufgaben in den Griff zu bekommen. Aber falls Du nur einen Funken Interesse hast, falls Du unabhängig von technischem Support sein möchtest, dann kannst Du ganz viele Dinge ausprobieren, ohne dass Dein Computer explodiert oder das Internet gelöscht wird.

Sehr oft fragen Teilnehmerinnen in meinen Workshops: „Was passiert denn, wenn man hier drauf klickt?“

Meine Antwort: „Probier es aus!“

In 95% der Fälle kannst Du den Zurück-Knopf drücken. Und wenn die Software-Entwickler/innen ihr Handwerk verstanden haben, warnt das Programm in den restlichen 5% eindringlich davor, was passiert, wenn Du weitermachst.

Vielleicht brauchst Du eine Starthilfe, zum Beispiel jemand, der Dir eine Test-Webseite zum Spielen aufsetzt. Besorg Dir dafür wertschätzende Unterstützung.

In anderen Fällen hilft Hartnäckigkeit. Sich in ein neues Programm einarbeiten ist wie eine neue Sprache lernen: Manches festigt sich erst mit der Zeit, und an manchen Punkten muss man eine Nacht drüber schlafen. Gib nicht gleich auf, sondern bleib dran!

Und wenn sonst nichts mehr hilft: Probier’s mal mit Aus- und wieder Einschalten. 😉 (Das wirkt vor allem Wunder bei Problemen mit Windows.)

Ausprobieren setzt voraus, dass Du Interesse und/oder Zeit und/oder Energie dafür aufbringen kannst. Falls nichts davon vorhanden ist, dann kommt mein letzter Tipp zum Zug.

4. Mach Dir klar: Kannst Du nicht oder willst Du nicht?

Vielleicht ist es Dir zu mühsam, Dich einzuarbeiten, und Du möchtest Deine technischen Projekte lieber abgeben. Vielleicht hast Du die perfekte Person gefunden, die Dich dabei unterstützt. Alles gut!

Dann ist das eine ganz andere Geschichte, nämlich die klassische „make or buy“ Entscheidung: Nimmst Du Dir die Zeit und arbeitest Dich so weit ein, dass Du Deine Dinge selbst erledigen kannst? Oder konzentrierst Du Dich lieber auf Dein Kerngeschäft und gibst manche Bereiche ab, die Dir nicht liegen, dich langweilen oder einfach zu viel Zeit kosten?

Das ist eine solide wirtschaftliche Entscheidung. Sie zu treffen, ist eine Frage Deiner Selbstachtung und Deiner Ressourcen.

Du hast es jedenfalls nicht nötig, Dich hinter einer (vorgetäuschten) Hilflosigkeit zu verstecken.

Die Blogparade

Die „Technikelfe“ Sara Menzel-Berger hat zur Blogparade „Du bist zu blond für Technik!?“ aufgerufen. Daran nehme ich gerne teil, weil mir das Thema ein Herzensanliegenist. Lies unbedingt  auch die Beiträge der anderen Teilnehmer/innen, mit noch mehr Tipps, Tricks und Erfahrungsberichten in Saras Blogparade.

Wie stehst Du zu dem Thema?

Bist Du technisch versiert und hast alles im Griff? Bist du interessiert aber ängstlich? Oder hast Du souverän alles an jemand Verlässlichen abgegeben?

Erzähl mir darüber in den Kommentaren!

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